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Freitag, September 03, 2010

Fernblick nach Deutschland

Die Debatte um Thilo Sarrazin hat etwas Kurioses, das kann ich nicht anders sagen. Jedenfalls als ausländischer Resident in der Ferne, ein bisschen fernab der bundesrepublikanischen heiligen Kühe, wirkt das ganze wie ein mitunter satirisches Theater. Man ahnt es schon, wenn einer in Deutschland das falsche Thema anreißt, wie Ausländerzuzug, dann hört man schon das empörte Schnauben des Establishments.

Rethorische Geschütze werden gegen die Sarrazinen in Stellung gebracht.

Nach dem Schock des Holocaust und der Nazizeit im Allgemeinen, der auch viel später geborenen Deutschen in den Knochen sitzt, sind bestimmte Themen -durchaus verständlicherweise- zur heiligen Kuh geworden und bestimme Themen ansprechende Prominente haben natürlich eine Welle heißer Propaganda seitens des politischen Establishments und der Medien und Verbände zu fürchten. Während auf Spiegel.de eine Online-Umfrage 65% Zustimmung (LINK***) für Sarrazin in dem Sinne brachte, dass er nicht entlassen werden soll, weil er die "Wahrheit ausgesprochen" habe, entsteht beim Blick in die Presse der Eindruck, die Deutschen seien wie ein Mann gegen ihn. Ein Türke wurde zitiert mit der Aussage, Sarrazin bringe Schande "über unser Land", ich habe mich da kurz aufrichtig gefragt, welches von beiden das sein möge.

Der Sarrazine namens Thilo beschimpft jedenfalls die Türken in unangemessener Weise und hat idiotische genetische Theorien formuliert, aber das Establishment schafft es natürlich auch, ihm eine vorbereitete heilige Kuh mundgerecht auf die Zunge zu legen. Es ist eine bloße Selbstverständlichkeit, dass Menschen mit gemeinsamer ethnischer Herkunft, oder einer früher mal vorherrschenden gemeinsamen geographischen Herkunft eine gemeinsame Genhistorie haben. Das ist bei Polarbären aus der selben Gegend so, ein bisschen sogar bei Deutschen und anderen Indogermanen auch aus fernen Ländern und eben auch bei Basken und Juden, wie von Sarrazin angesprochen; von wegen Herkunft aus der semitischen Völkerfamilie im arabischen Raum bei Juden. Es ist allerdings auch völlig belanglos, viele bunte Gene sind schön und nichts ist da weniger oder mehr wert als das andere. Vermischt sind wir alle zu großen Teilen, was wir auch immer glauben was wir sind. Bei mir gibt es polnische Vorfahren neben Franzosen etc. Wieso sollen Gene aus dem arabischen Raum weniger wert sein als mein eigener Schwarzbrot-Rotwein und Krakauermix, das ist alles kompletter Unsinn. Heute bereut Sarazin, Juden für seine Plattitüde herangezogen zu haben, auf blödsinnige Weise einen antiken Ursprung einer Religion mit einer von vorne herein unsinnigen und irrelevanten Gendebatte vermischend.

Dem Establishment aus Gutmenschen, das jede Debatte um die demographischen Aspekte der moslemischen Einwanderung und der daraus resultierenden Veränderung Deutschlands in ein höchstwahrscheinlich rückständigeres Land abwürgen will, ist dadurch natürlich eine Steilvorlage gegeben. Nun kann man die demographische Diskussion als rassistisch und kurioserweise antisemitisch (obwohl Sarrazin ja eingentlich über islamische Einwanderung sprach!) abwürgen und wenn irgendwelche hervorgezauberten angeblich unsauberen Parktickets vom Flughafen nicht reichen, um Sarrazin zu erledigen, dann wird des diese Debatte tun.

Sorge macht mir, dass Deutsche zu Extremen tendieren. Wenn die Gutmenschenfraktion jetzt mit der Rassismuskeule eine noch einigermaßen vernünftige Diskussion um hohe islamische Einwanderung abwürgt, wer weiß in welcher Form sie dann dereinst wiederkommt und was für radikale Parteien im Jahre 2020 oder so gewählt werden, wenn irgendjemand feststellt, dass nun bald eine moslemische Mehrheit im Ruhrgebiet sein wird. Oder erst 2030 oder später? Hoffentlich marschieren die Deutschen dann nicht wieder, nur weil sie jetzt nicht diskutieren können.

Update: hier die veränderte Umfrage von Spiegel.de, jetzt nur noch mit "Abberufung falsch" oder "...richtig". Stand Freitag, 03.09.2010, 10:42 deutscher Zeit: 74% gegen die Abberufung.
http://www1.spiegel.de/active/vote/fcgi/vote.fcgi?voteid=7001&x=117&y=3 

*** Stand 03.09.2010 etwas über 67% für die alte Umfrage, ob Sarrazin abberufen werden soll 

Mittwoch, September 01, 2010

Sturm und Stromausfall (that's life in Farwegistan)

Kaum stürmt es ein bisschen haben wir gleich einen roten Zettel im Briefkasten, Freitag um Mitternacht für 6 Stunden Stromausfall. Wenn man die ganze Woche gearbeitet hat und dann bei einem Glas Wein ein bisschen zu Hause abhängen will dann Bumm, wird der Strom abgeschaltet. Nicht etwa die Woche über am Tage, wenn ich im Büro sitze.
Wenn es wieder so verflucht heiß ist, ist es mit Schlafen ohne Ventilator auch schwierig. Fenster auf? Dann wird man immer wieder geweckt, denn auf der Straße schreien die kleinen bartlosen Bauarbeiter, als wären sie Opernsänger mit eingewachsenen Zehennägeln. Einer steht unten am Mast und brüllt hoch, der andere brüllt runter. Walkie-Talkie ist in Taiwan wohl noch nicht erfunden.
Die haben es gut, die haben Strom

Ich lade schon mal Notebookbatterien, um mich mit den Profis (The Professionals) und anderem Zeug durch die Nacht zu bringen. "Das Haus am Eaton Place" (Upstairs Downstairs)*** lasse ich lieber weg. Oder gerade? Wenn Hudson mit Captain Bellamie um den Rotwein streitet, schlummere ich vielleicht endlich ein.

Mit Strom kann man zu Hause viele spannende Sachen machen...

*** Kommt alles gerade auf ITV3 oder 4. Komisch, die Fernsehtürme in England scheinen wetterbedingte Überreichweite nach Taiwan zu haben:-)

Dienstag, August 31, 2010

Ausländischer Wirt als Feindbild (Update 2)

In Taiwan wird man sehr freundlich aufgenommen, wohl weil Taiwan seit den 70er-Jahren seinen Erfolg auf dem Export ins westliche Ausland gegründet hat. Ich habe zwar über die Jahre bemerken müssen, dass in der Freundlichkeit auch manchmal eine nervöse Krampfhaftigkeit steckt, die von über-das-andere-Aussehen-lachen bis hin zu blanker Unverschämtheit reicht, aber das ist doch eher selten. Oft wird man regelrecht angehimmelt, halbwüchsige Tankstellenangestellte (männlich) sagen meiner Frau ich würde gut aussehen etc. Böse sein kann man den Einheimischen da nicht, irgendwie sind Ausländer hier etwas ganz besonderes, insbesondere wenn man die ausgetretenen Innenstadtpfade von Taipei verlässt, auf denen ich selten zu finden bin.

Guck mal Hermeline, ein Ausländer! (Foto: Ludigel)

Wer heraussteht, steht aber auch schnell in negativer Hinsicht heraus. Ein Beispiel ist der angebliche englische Todesfahrer (siehe HIER), der beschuldigt wurde, einen Mopedfahrer im trunkenen Zustand angefahren und getötet zu haben. Die Taiwanpresse startete eine beispiellose Vorverurteilungscampagne von der bis heute nichts zurück genommen ist. Hundertausende von US-Dollar sollte er an das Opfer zahlen und das ganze Land heulte und zähneklapperte und war kurz vor dem Schwingen von Fackeln und Mistgabeln, sogar tätlich angegriffen wurde er von einem wütenden Menschenmob, als er nur 10.000 US-Dollar anbot und die Schuld abstritt; auch wenn der Engländer sagte, ein anderer sei gefahren, wofür es sogar einen Videobeweis gibt. Nach Prozessbeobachtern aus der Ausländerszene soll derzeit strittig sein (LINK), ob überhaupt eine Hauptverhandlung eröffnet wird, weil die Staatsanwaltschaft noch keine stichhaltigen Beweise beibringen konnte. Außer einem Video, das ihn nicht am Steuer zeigt, sondern auf dem Beifahrersitz.

Und wieder ein Beispiel, ein ausländischer Betreiber eines seit 15 Jahren existierenden Fischrestaurants beklagt, Medien und eine lokale "Umweltschützergruppe" hätten ihn als Zielscheibe gewählt und wollten sein Restaurant schließen, andere Ausländer bestätigen die einschlägigen Medienberichte (LINK zum Ausländerforum). Angefangen hat es scheinbar damit, dass in der Nachbarschaft einige Gebäude ohne Baugenehmigung errichtet worden sind, was die Umweltschützergruppe kritisiert. Nur ist das Haus, in dem das Fischrestaurant liegt nachweislich keines davon, sagt der Ausländer. Allerdings sei die Baupolizei bei ihm aufgeschlagen und hätte angegeben trotzdem gegen ihn vorgehen zu müssen (und nicht etwa gegen die wirklich illegal errichteten Gebäude!), weil die Umweltschützergruppe sich auf ihn konzentrieren würde und sehr viel Druck machen würde. Auch das Taiwanfernsehen hat sich dankbar auf die Story vom gesetzesbrechenden Ausländer gestürzt. Daher sei man gezwungen auch kleine bauliche Veränderungen am Haus (Pergola? Leuchtreklame?) als Verstoß gegen die Bauordnung zu verfolgen. 

Das ist es was ich meine. Man steht heraus, wenn einem die Einheimischen fröhlich als lustigem Onkel zuwinken, aber eben auch, wenn in der Nachbarschaft ein Gesetzesverstoß geschieht. Seht her, da ist ein Ausländer, der muss es gewesen sein. Bei uns im Dorf bin ich erst einmal des Gemüsediebstahls (von wegen meine Hunde würden dem Bauern das Gemüse ausgraben während ich dabeistehe, dabei standen wir auf einem Müllgelände und das nur, um den Toyota vorbei zu lassen) bezichtigt worden von einem betrunkenen Autofahrer der neben mir anhielt. Mit Frau als Dolmetscher habe ich ihn allerdings zu nächtlicher Stunde ausfinding gemacht und vor versammelter Mannschaft zur Rede gestellt. Klang irgendwie nervös, gute Mann.

Freundlich sind die Einheimischen also zu uns Ausländern, aber manchmal wünscht man sich einfach weniger Aufmerksamkeit von den Leutchen hier.

Update zum Fischrestaurant: Die Behörden drohen jetzt mit Abriss des Balkons und der ersten Etage. Das Fernsehen berichtet, der Balkon sei neu, tatsächlich ist er aber schon (lt. Aussage des Wirts) Jahrzehnte am Gebäude, wie alte Fotos zeigen. Tatsächlich stockt man in Taiwan immer wieder Gebäude ohne Genehmigung auf, ich bin auch schon mal nach Hause in das damalige Billigapartment gekommen und ein Zettel war an der Tür, das Haus würde in 3 Tagen abgerissen (wurde es nie). Das alles ist Teil des nervösen halbregulierten Firlefanzes, der hier veranstaltet wird, gegen den man nicht mit Bestechung (ist ja nicht ThaiLAND hier), sondern nur mit Gegendruck (immer wieder die Behörde anrufen und sich beschweren, rumschreien am Telefon) ankäme. 
Die Umweltinitiative bemängelt scheinbar Abwässer, die vom Restaurant heraus fließen würden, aber das ist in Taiwan ganz normal (jeder Imbiss schüttet seinen Blut- und Gemüsesud in den Gulli auf dem Gehweg, das stinkt dann herrlich aus der Gosse). Die Behörden kümmern sich aber um den Balkon!

Das zeigt wie chaotisch das Betreiben eines Geschäfts in Taiwan zwischen halbherzigen Vorschriften und manchmal chaotischen Behörden im Extremfall sein kann.

Update: Das Restaurant scheint dieses zu sein : http://tw.myblog.yahoo.com/escape-41/
Schon was anderes als die üblichen Diner hier in Taiwan. Der Eigentümer ist dem vermutlich grundlosen Abriss bislang entgangen, wie auch die Nachbarschaft, weil Taifunwarnungen derzeit Abrisse unmöglich machen. Während Erdbeben und Taifunen wird in Taiwan grundsätzlich nie abgerissen. So hatte damals auch meine Wohnung ihren Abrisstermin dank eines Taifuns überstanden. Oder wäre sie eh nicht abgerissen worden? Besser man hat hier eine Bazooka im Schrank, wenn der Bagger kommt ;-) 
Das Taiwanblog wünscht dem Betreiber alles Gute und das die rechtlichen Schritte greifen, bevor seine Existenz vernichtet wird! Er hofft es noch solange betreiben zu können, bis er sein Geld wieder raus hat....

Montag, August 30, 2010

How to auswander

Sarazzinsche Thesen, ob sich Immigranten assimilieren sollen oder nicht und wie viele Sozialleistungen sie verprassen dürfen sind immer dann blanker SF, Social Fiction, wenn man selber als Deutscher auswandert, zum Beispiel nach Südostasien. Als Sozialleistung gebe es maximal einen Tritt in den Hintern und Assimilation ist so sinnlos und unmöglich wie das Fliegen oder Eierlegen lernen.

Beim Auswandern Vorsicht vor wilden Tieren und auch im Umgang mit Eingeborenen, insbesondere wenn man anders als mein Onkel damals kein Gewehr dabei hat (Photo: Harry Hachmeister)


In der letzten Zeit sind mir drei völlig unterschiedliche Auswanderergeschichten begegnet, wen es interessiert hier als Übersicht.

1. Die programmierte Katastrophe, ein Deutscher verliebt sich in Thaifrau, verkauft Wohnung und gibt alles auf, steht zum Schluss mit 1000 Euro Restvermögen in Thailand und geht willig auf die Wünsche der Damen ein. Sozialhilfe (Hartz IV) scheint vorprogrammiert, wenn er nur erst mal wieder zurück wäre. Wohl gemerkt geht es hier um ThaiLAND, nicht um Taiwan/Formosa: http://www.stern.de/tv/sterntv/die-sommerserie-bei-stern-tv-traumfrau-aus-thailand-eine-neue-frau-fuers-leben-1596875-224e0c6591c8e1f6.html.

2. Das große Abenteuer: Deutsche Familie wandert (von Deutschland) nach Kambodscha aus, mit Kind:
http://www.kambodscha.don-kong.com/2010/08/29/wie-die-auswanderer-in-sihanoukville-aufschlagen/

3. Schweizer [edit] zieht von Thailand nach Kambodscha um: http://kambodscha-sihanoukville.blogspot.com/

Ich wünsche allen drei Parteien alles Gute. Bei (3) braucht es das sicher nicht und im Fall (1) sollte man ein eigentlich ein Stoßgebet hinterher schicken.

Sarrazin, die Zweite

Eine Debatte darüber loszutreten, ob die hohe Geburtenrate und Einwanderungszahl, insbesondere islamischer Menschen, zu einer Veränderung des Landes führt, vielleicht auch zu einer tiefgreifenden Veränderung in Richtung zu strengem Glaubensdiktat, ist sicher sinnvoll, auch wenn die vorliegenden Statistiken sicher das Nennen einer genauen Jahreszahl des Zeitpunkts des Eintritts der Moslemmehrheit erschweren. Leider versuchen SPD und Grüne und andere Gruppierungen hier ein Denkverbot oder wenigstens ein Debattierverbot auszusprechen. Ich hingegen finde, Nachdenken muss immer erlaubt sein, das Ergebnis des Prozesses mag ja sein, dass man sich der Einwanderung hingibt und es okay findet, wenn Deutschland ein moslemisches Land wird, nur sollte dieser Prozess dann mit bewusstem Denken begleitet sein und nicht durch Passivität, wie sie Grüne und SPD dieser Tage verlangen. Ein Nazi oder Rassist sei, wer überhaupt nachdenkt über solche Statistiken, und das kann nicht der Logik letzter Schluss sein.

Einwanderer, die unter sich bleiben, können zum Problem werden... (Photo: Harry Hachmeister)


Leider wirkt Thilo Sarrazin weniger und weniger wie jemand, der diese Debatte leiten kann, krude Theorien über genetische Ursachen des mangelnden sozialen Erfolgs von Einwanderern stießen mir gleich komisch auf und klingen mit seinen Nachbemerkungen immer schlimmer, so als wolle er von rassisch minderwertigem Reden, das sollte man lassen.

Interessant für einen Expat wie mich, das Postulat der Assimilation als Verschärfung der Integration einmal auf mich und viele andere westliche Ausländer hier in Taiwan zu beziehen. Viele wie ich verweigern zumindest die Assimilation, sind wir dadurch ein Problem für Taiwan oder gar Schmarotzer? Mir fallen folgende wichtige Punkte ins Auge:

-in Taiwan eigewanderte Westler bleiben entweder nur kurz und/oder heiraten Einheimische.
-die nächste Generation sind in der Regel bilinguale gut qualifizierte Menschen, zu Hause in zwei Kulturen

Und am Wichtigsten: Einwanderer in Taiwan wie auch in den USA oder Kanada sorgen für sich selbst. Die Idee, Menschen (wie in Deutschland) einwandern zu lassen, nur um sie dann über die soziale Absicherung zu versorgen, ist eigenartig und für mich als Auswanderer, der für sich selbst sorgt, bizarr.

Der gestrige Sonntagmorgen war wieder so ein typischer Fall. Ab 6.30 Uhr explodierten Knallkörper rund um unser Haus und rissen meine Frau und mich aus dem Schlummer. Ein taubenzüchtender Nachbar ließ wieder seine Tauben um die Häuser kreisen und beschoss sie dabei mit Feuerwerkskörpern, eine recht typische Verhaltensweise hier für Taubenzüchter. Wie, bitte schön, soll ich mich da assimilieren? Da müsste ich mir erstmal diverse Nervenbahnen im Hirn durchtrennen lassen, bevor ich auch nur ansatzweise die Einheimischen imitieren könnte in dieser Hinsicht. Dank an die Leserschaft für Hinweise in dieser Richtung, aber es wird nix werden damit.

Freitag, August 27, 2010

Sarrazins Thesen

Der alte Juso in mir möchte jetzt einen herzblut-überquellenden Verriss von Thilo Sarrazins Thesen aus "Deutschland schafft sich ab" (teilweise im aktuellen Spiegel 34/2010 abgedruckt) schreiben, ihn als Rechtsradikalen darstellen und seine Ablehnung des gegenwärtigen moslemischen Immigrantentums als spießbürgerlich, chauvinistisch und unrealistisch brandmarken. Nur leider ist es eine Realität, dass sich Deutschland, bei anhaltener Geburtenrate türkischer und anderer Migranten und konstant niedriger deutscher Geburtenrate in ein neues und anderes Land verwandeln wird. Mit gewisser Wahrscheinlichkeit wird das dann ein Land irgendwo zwischen heutiger Türkei (wenn wir Glück haben) und dem Iran (wenn wir Pech haben) sein. Traurigerweise wäre aber auch der günstige Fall einer "Bundesrepublik Deutschtürkei" ein Rückschritt gegenüber dem, was wir jetzt haben. Sarrazin schreibt richtig, die soziologischen und sonstigen Wertvorstellungen der islamischen Migranten stellen einen Rückschritt dar. Zurückgehen fiel mir immer schwer, es ist ein Alptraum, wenn Rückschritt in diesem Falle heißt, sich religiöser Intoleranz und gar Gewaltmaßnahmen gegen Menschen mit anderem Lebensstil auszuliefern.


 Die Einheimischen sehen so viel anders aus, da fängt man mit der Assimilation gar nicht erst an...


Akzeptanz von Homosexuellen? Vergiss es, der Iman stimmt da nicht zu, die ganze Gay Rights - Sache muss noch mal von Vorne beginnen. Und diesmal ist der Ausgangspunkt das Mittelalter.

Gleichstellung von Frauen? Ditto.

Ich hasse den Gedanken, alle gesellschaftlichen Errungenschaften Menschen zu opfern, die ihre Überzeugungen zu Zuhause mitbringen und nicht willens sind, diese zu opfern.

Andererseits gibt es auch andere Migranten. Es gibt Deutsche türkischer Herkunft, die als Computerexperten arbeiten und bei Urlaub in der Türkei für Deutsche gehalten werden. Sind sie ja auch, aber das Lob vom Taxifahrer in Ankara, wie gut ihr Türkisch ist, tut ihnen dann manchmal weh (Quelle: ehemaliger Arbeitskollege in Deutschland).

Bei meiner letzten Deutschlandreise nach Frankfurt am Main sah ich in den Straßenbahnen zahllose dunkle und fremdländisch aussehende Kinder und Erwachsene. Ich fühlte mich unwohl, denn das fühlte sich nicht mehr wie Deutschland an. Doch dann begannen zwei kleine Mädchen, beide dunkler Hautfarbe, ein deutsches Kinderlied völlig akzentfrei zu singen und sich dabei gegenseitig in die Hände zu klatschen. Da schien sich das Leben über meine rückständigen Gefühle lustig zu machen und sicher mit Recht.

Wenn die Migration so fortschreitet weiß ich nicht was dabei herauskommen wird. Ehr integrierte Leute, die größtenteils Deutsch sind und nur ein bisschen ihre alte Kultur bewahrt haben. Oder klammern sie an ihrer Heimatidentität so fest, wie auch ich hier in Taiwan an meiner eigenen Identität festklammere und mich weigere, zum Asiaten zu werden?

Das Problem ist, wenn wir so weiter machen wie bisher, verlieren wir die Kontrolle über diesen Prozess und überlassen es Menschen einer fremden Kultur zu entscheiden, wie Deutschland in ein paar Jahrzehnten aussehen wird. Ob Sarrazins Antworten die richtigen sind weiß ich nicht. Aber es ist auf jeden Fall richtig, diese Diskussion einmal prominent anzustoßen. Denn bislang wird jeder, der solche Fragen stellt, als Neonazi gebrandmarkt. Ich bin keiner.

Donnerstag, August 26, 2010

Tipp für die Demokratische Volksrepublik Korea



.... mit einem hübschen Diktator wäre alles so viel einfacher....

[unwanted help for the Democratic People's Republic of Korea]...with a beautiful dictator everything would be so much easier...




Mehr Tipps nur gegen ein paar Kisten KimChi-Schokolade!
More hints only in exchange for a few boxes of KimChi chocolate!


UPDATE:  OK, if some people actually get exited about this, here is more. Maybe it is a new form of art? Will the regime in North Korea survive the on-slaughter of material from the Taiwanese Blog Party? Only time can tell.


Most comrades would hardly notice...


Den Tag mit einem Lächeln beginnen...

Alte buddhistische Weisheit, man soll den Tag mit einem Lächeln beginnen. Keine Ahnung ob das wirklich eine buddhistische Weisheit ist, Buddhismus und Weisheit klingt für mich eh wie ein Widerspruch in sich. Jedenfalls seit ich einmal einen buddhistischen Priester in organger Robe, wohl sogar ein Mönch, dabei beobachten konnte, wie er um unseren toten Schwiegervater wie ein Derwisch herum sauste mit einem Teekessel in der Hand, wir alle in einer veritablen Polonaise Hand-auf-die-Schulter hinterher und dann den Teekessel auf den Fliesen zerdepperte. So eine Sauerei. Ich fing schon an, den Kerl anzupflaumen, da sagte meine Frau, das sei so gewollt, ihr Vater sei jetzt geheilt. Mein Einwand, er sei immer noch tot, half freilich nichts. "Aber gesund ist er jetzt", sagte meine Frau. Ich murmelte irgendwas von Teeren und Federn im Wilden Westen für solche "Wunderheilungen" und weiter ging's.

start the day with a smile!

Wie war ich jetzt drauf gekommen? Ach ja, Tag mit einem Lächeln beginnen. Ich schlappte also über die Straße, gerade Instantkaffee von Seven-Eleven gekauft, wartete brav bis Grün an der Fußgängerampel, da knattert so ein Kerlchen, fies geradeaus starrend, auf mich zu. Hat rot, sieht mich, knattert weiter, haarscharf an mir vorbei. Nun sind die Mopeds ja sonst immer schnell weg, in diesem Fall aber hält er kurz hinter der Ampel an, um sein Frühstück zu kaufen. Steht mir eh im Weg rum am Fahrbahnrand, Fußweg gibt es ja nicht. Haue ihm meinen Ellbogen mit voller Wucht in die Schulter, er wackelt kurz, ich entschuldige mit lächelnd und gehe meines Weges.

Wie gesagt, man soll den Tag mit einem Lächeln beginnen (abdunkeln, Beleuchtung von unten, Schwefelschwaden..... har har har)

Euer

Sador,
Herrscher im Tofuraum

Mittwoch, August 25, 2010

Watermelons are good...

 Some colleagues remain unknown throughout their entire career at the workplace

A colleague is quitting the company, sending a "farewell" email around. He or she is called "watermelon" by her (or his) chosen "English" name. So the email address is something like watermelonlee@.....com.tw.

Sigh, my wife should have introduced me to her, I mean to check where that name comes from. Or maybe it's a guy. Here you never know.

Yours,

feistyreddish  (that would be an English name, wouldn't it?)

Dienstag, August 24, 2010

Out of Thüringen


English below!

German, Deutsch: 

Weit weg von Thüringen bin ich, das ich daheim in Deutschland immer gerne besucht habe, noch zu deutschen demokratischen Zeiten und später; thüringer Wurst schmeckte immer gut. Mit Kollegen war Grillen angesagt, hier in Taiwan, ganz rechts am Tellerrand der Welt, wo der gesunde Menschenverstand einem in der sommerlichen Hitze wie Wasser den Rücken runter rinnt. Entsprechend hatte ich mich entschlossen, zum massenhaft von den Kollegen gekauften Wasser auch zwei Dosen Bier mitzunehmen, schließlich gehört Bier zum deutschen Grillen dazu. Jetzt kenne ich endlich den Unterschied zwischen dem grünen und dem blauen Taiwanbier (nur die Dosen haben diese Farbe), das grüne ist exportartig ein bisschen süßer. Allerdings hatten wir gefühlte 40 Grad im Schatten, feuchtheißes Föhnwetter und so verschenkte ich die beiden angefangen Biere und machte lieber an das Wasser ran. Und an den sicherheitshalber mitgenommenen Orangensaft (taiwantyptisches süßes Fruchtsaftgetränk mit viel Chemie und wenig Frucht), das zum Eisblock gefroren langsam in meinem Glas schmolz, lecker!


Die Kollegen hatten diese ekligen Riesenkrabben an Spießen und leckeres Rindfleisch, das sie völlig ohne Ketchup aßen und in Salatblätter einwickelten. Lecker, habe ich auch gegessen, das Rindfleisch und den Salat wenigstens. Massenhaft hatten sie dazu ungetoastetes Toastbrot, das niemand mochte. Stattdessen hatte ich französich-nachgemachte Baguettebrötchen, die hier im Foto langsam rösteten und die ich auch Kollegen abgeben musste, seufz. Das und auch schweizer und englischen Käse und deutschen Riesling gab es bei TESCO (aber nur für Zuhause) einer Art Metro, für die man einen Gewerbeschein oder so braucht. Na ja, ein Kollega hatte Mitgliedskarte und so ist mein Rieslingentzug erstmal wieder beendet. Immer wenn der Riesling zur Neige geht, bin ich schlechter Laune in Taiwan. "Rieslingentzug" ist eines der Worte, die man als Expat in der Fremde lernt. Es geht nicht um den Alkohol, es geht um den Riesling.

Sonst gab es bei mir noch "Thuringa Bratwurst Sausage", eine passable Bratwurst, hier asiatisch auf Spieße gesteckt und auch zur Hälfte von hungrigen Kollegen gegessen.


Na ja, teilen macht ja Freude, sagte Jesus in Vorbereitung der Kirchensteuer. Die zwei Käsescheibletten, die meine Frau dazu gepackt hatte, veränderten ihren Aggregatzustand allerdings urplötzlich von gefroren in matschig-aufgeweicht-tropisch-igittepfui, so dass ich sie weggeworfen habe.


In idyllischer Umgebung konnte man vorgebucht und platzzugewiesen in tropischer Hitze sein Essen genießen, zum Spazierengehen war es meist zu heiß.


Hunde und ich warteten im Schatten bei Fleisch, Wasser und O-Saft auf die kurzen kühlenden Nieselschauer und sind dann ein paar Meter gegangen. Ansonsten blieb mir nur, die Weisheit der Eingeborenen zu bewundern, dass Bier eben nicht zur Hitze passt.


English:

Barbecue with colleagues, the colleagues had seafood on sticks and beef with salad, I ate some too. And sweet sausages, much like the German "bacon sausage" (Schinkenwurst), but sweet. I had some "Thuringa Bratwurst sausage", delicious and fried French bread. Drinking beer in the heat was no good, rather switched to water and orange juice. Not sure why I wrote so much in the German part ;-)

Taiwan low on desired places scale

+++ forget what is said below. Womenfolk is pretty and feeds me cookies, who cares about the rest. +++

English:  - German below-
Taiwan is called "(Isla) Formosa", the beautiful island by its European name.Still, nobody wants to move here, as this statistic shows: http://www.gallup.com/poll/124193/Potential-Net-Migration-Change-Developed-Nations.aspx .Strangely, Taiwan is in the same group as poverty-stricken Ivory Coast and Ukraine. Taiwan is a rich country, yet where business immigrants end up is usually Taipei, the capital in the North and here car pollution, ugly architecture and the habit of the locals to turn their environment into one big litter box are prevalent. Working conditions are also not exactly favourable, with companies often willing to pay only the local salary plus a bonus and you even have to fight hard to get at least unpaid vacation in the beginning - the first year in Taiwan comes without any paid vacation by Taiwan's labour law. Being a bit of a masochist helps to accept work in a small Taiwan company where the boss is an egocentric "Captain Ahab" and his or her subordinates follow him around with their heads lowered.
Work hours are long, engineers often have 12hrs per day and often include Saturdays and sometimes Sundays into the working week. You do fine with a local salary if you buy in the local diners where foreigners have a hard time to order anything because of language barrier. You do not come very far when relying on Westernized restaurants, the price may be tenfold.
But... the country has its advantages. Come, survive and find out!


Taiwan: come in and find out. Komm rein und finde wieder raus.

German, Deutsch:
Taiwan schneidet extrem niedrig in einer "wohin man auswandern will"-Statistik ab, der negative Wert, identisch mit dem der Elfenbeinküste und der Ukraine, zeigt sogar Abwanderungspotential, nicht Einwanderungspotential an: http://www.gallup.com/poll/124193/Potential-Net-Migration-Change-Developed-Nations.aspx . Wer hier aus wirtschaftlichen Gründen landet, der logiert in der Regel in Taipei, jener von Chinesen (nicht Taiwanesen) dominierten Karikatur einer Metropole, in der Mopeds räuchernd und knatternd zwischen schmutzigen Wohnblocks umher fahren. Ich habe da mindestens dreimal täglich einen negativen persönlichen Einwanderungsindex. Arbeitsbedingungen sind sicher auch nicht attraktiv für Expats, u.a. ohne bezahlten Urlaub im ersten Jahr, siehe Übersicht HIER. Insbesondere verdient man, wenn man selbst auf dem Arbeitsmarkt aufschlägt, oft nur etwas mehr als Einheimische und würde beim Essenskauf oft auf teure westlich scheinende Lokale angewiesen sein, weil die Verständigung in den Garküchen fast unmöglich ist. Taiwan macht manchmal Aktionen, wo Umfrageformulare an Ausländer in Taiwan geschickt werden und startet dann Initiativen, um "ausländische Fachkräfte" anzuwerben. In den Formularen wird man durch die Struktur dazu gebracht, immer Essen, freundliche Leute und hübsche Tempel zu loben und darf als vorgefertigte Kritikpunkte "zu viel Verkehr" und manchmal "Abgasverschmutzung" angeben, letzteres auch nur manchmal.
Vorteile hat Taiwan natürlich auch. Kommen Sie hier, überleben Sie den Smog und finden Sie es raus ;-)